EIN HAUS FÜR ERNST BARLACH

Im Oktober 1962 wurde das Ernst Barlach Haus als erstes privates Kunstmuseum Norddeutschlands eröffnet. Hermann F. Reemtsma, Freund und Förderer Ernst Barlachs, hatte seine umfangreiche Sammlung von Werken des Künstlers zuvor in eine Stiftung überführt und den Architekten Werner Kallmorgen mit dem Entwurf eines Museums beauftragt.

Als modernes Gegenstück zum klassizistischen Jenisch Haus, das in den 1830er Jahren als herrschaftlicher Landsitz erbaut wurde und heute als „Museum für Kunst und Kultur an der Elbe“ zum Altonaer Museum gehört, gestaltete Kallmorgen ein zurückhaltendes Gebäude, das sich reizvoll in das weitläufige Parkgelände am Elbufer einfügt.

Hinter der schmucklosen Fassade eröffnet sich dem Besucher eine Folge lichter, klar gegliederter Ausstellungsräume, die sich um einen zentralen Innenhof gruppieren. Die abwechslungsreich proportionierten Räume vermitteln einen großzügigen Eindruck, bleiben in ihren Abmessungen aber auf die Dimensionen eines Wohnhauses bezogen; so bieten sie einen idealen Rahmen für die konzentrierte Kunstbetrachtung. Neben der Gesamtanlage des Museums bezeugen auch zahlreiche Details die sensible Auseinandersetzung des Architekten mit den Werken der Sammlung Hermann F. Reemtsma: Kallmorgens Dramaturgie von Durchblicken und Sichtachsen, Oberlichtern, Podesten und Nischen ermöglicht ebenso vielfältige wie spannungsreiche Präsentationen.

Wenige Tage nach der Eröffnung des Ernst Barlach Hauses schrieb der Kunstkritiker Gottfried Sello in der Wochenzeitung DIE ZEIT: „Das Haus ist von heute, der modernste Museumsbau in Deutschland. Der Architekt hat nicht die Aufgabe oder den Ehrgeiz, Barlach-Stimmung zu erzeugen, sondern das Werk werkgerecht darzubieten. Keine Weihestätte für Barlach, kein Tempel. Nichts, was dem Kult Vorschub leisten könnte.“

1995/96 wurde Kallmorgens Architektur behutsam umgebaut und erweitert. Durch einen Anbau erhielt das Museum einen zusätzlichen Ausstellungsraum. Der Innenhof wurde mit einem flach gewölbten Glasdach geschlossen, damit das Atrium als geschützter Skulpturengarten oder Versammlungsraum genutzt werden kann. Der besondere Charakter des Museums blieb dabei gewahrt: die „Geschlossenheit nach außen und der innere konzentrierte Organismus für die Sammlung“, die Hermann F. Reemtsma bereits 1960 als das „außerordentlich Bestechende“ an Kallmorgens Plänen würdigte.

Eingang, 1962
Blick in den Innenhof, 1962
 
Blick auf Fassade und Loggia, 1962
 
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